
 |
|
The everlasting Gospel – der (wohl) letzte Saviour kommt ohne Machine |
Omfg, Schluck, watt geht denn hier ab ?! Dachte ich, als ich bei Media Markt ein Geburtstagsgeschenk kaufen wollte. Als ich eine neue SM-Scheibe dort im Regal sehe, stehe ich wie vom Blitz getroffen da. Gucke hinten drauf: Erscheinungsjahr 2011. Als relativ gut informierter Metaller, der auch hin und wieder während der letzten 10 Jahre auf der SM-Seite vorbei schaute, war ich dann doch etwas überrascht.
Als ich das Teil zum ersten mal aufmachte wunderte ich mich gleich über das lieblose Booklet. Nur ein Blättchen mit Titelbezeichnungen und dem bekannten Gemälde. Sowas hatte man von SM bislang noch nicht gesehen: Billiges Faltblatt ohne irgendwelchen Nährwert. Dann die CD in den (mobilen) Player gelegt und was höre ich: Bontempi vs. Clayton im Halbschlaaf. Die Lieder hören manchmal anscheinend mitten drin auf. Gitarren und Bass sind höchstens rudimentär vorhanden. Wo sind denn die weltbewegenden Momente, wo die großartigen Melodien hin. Nee Jungens denke ich, das kann doch nicht wahr sein.
Dann will ich mir die Rezis auf Amazon rein ziehen, vlt. bin ich ja über die Jahre taub geworden. Oder das lange Warten hat meine Erwartungen zu hoch geschraubt. Ich muss feststellen, dass es sich letztlich um ein Bootleg ohne die Hälfte der Instrumente und somit der Melodien handelt, wie auch immer das Zustande gekommen ist. Ich kaufe hin und wieder Bootlegs (Leviathan aus Bonn kann ich nur empfehlen
), aber die kosten dann nicht mehr als 10 € und keine 17 €. Von daher bin ich schon sauer auf Massacre-Records, weil das ist natürlich absoluter Beschiss. Andererseits bin ich aber auch wieder dankbar: Immerhin etwas zum hören nach so langer Zeit. Man kann sich das Teil schon am Stück anhören, weil die Songs ohne Frage gut sind. Ich halte es nach reiflicher Überlegung auch für absolut legitim, sich einen Teil der verbrannten Gelder wieder rein zu holen, nachdem ja zuletzt nur Hr. Clayton solo abkassiert hat. Wenn ich höre die Chöre sind schon im Kasten: Wer hat die denn bezahlt ? Logisch, dass die Plattenfirma sich die Kohle auch irgendwann wieder rein holen will. Nur dann sollte es auch entsprechend gekennzeichnet und vor allem günstiger sein.
Klar bin ich Fan, hab mich zu den drei Abschlußtracks von SM-II trauen lassen und war auch Ende der Neuziger live am Start. Die sehr speziellen Veröffentlichungen Claytons in den Nullern fand ich dann doch etwas kurios und hab mir auch nix davon zugelegt. Gerne hab ich ihn auf Ayreons “Human Equation” DVD gesehen und mich echt über seine Parts gefreut. Bei dem guten Mann scheint sich in der Zwischenzeit aber leichte Entfremdung von der Umwelt eingestellt zu haben. Kein Wunder nach 10 Jahren Isolation, Krankheit und Musizierens ohne seinen kongenialen Bruder. Dabei wird der Perfektionismus bis ins unendliche getrieben. Nur so lässt sich erklären, warum er mit der Fortsetzung bzw. dem Abschluß der “Legend”-Reihe einfach nicht aus dem Quark kommt. So ählich wie bei Wintersun: Perfektionismus bis zum Exzess. Aber, liebe Leude, hier handelt es sich “nur” um Musik.
Angesichts der Vorgeschichte kann man die Soundqualität bzw. das fragmentarische der Scheibe hinnehmen oder man lässt es. Ich jedenfalls finde die Platte auch in der vorliegenden Form gut und man kann sie sich trotz allem gut am Stück anhören.
Zur Musik (ungeachtet der Defizite beim Sound !):
SM 3.2
Kings of the East
Gemächlicher Beginn, wirkt wie ein Zwischenspiel wg. der dauernden Wiederholungen. Da der Einstiegstrack weg gelassen wurde, ist es das ja auch. Atmet einiges an orientalischem Flair, aber blass.
The Trinity Abyss
Beginnt düster, “Bläser” kommen hinzu und die typische Background Erzählung.
World War III – The final Conflict III
Erster Höhepunkt. Beginnt mit Drums die dem Anfang vom “Pale Horse” ähneln. Toller Gesang. Dann gibts ein Break, bei dem man zum ersten mal merkt, dass die Platte zusammen geschustert ist. Massives Ende mit Parallelen zum gleichnamigen Vorgänger von Legend II.
Megiddo – Center of the Earth
Ruhiger Track mit durchgehend geflüsterten Vocals. Erstmalig markante Gitarrenmelodie. Im Hintergrund schweben bekannte Melodien.
Armagedon – Valley of Decision
Im “Booklet” falsch geschrieben
Längster Track des “Albums” mit 12:24. Zumeist hat alles etwa so 3:30 bis 4:30 Minuten. Hier wirken die orientalischen Midi Sounds zu billig. Nach 9 Min. denkt man eine neuer Song fängt an. Es handelt sich um ein 1:40 Min. “Bläser”/Midi Zwischenspiel. Dann gibts gleich noch ein kurzes Interludium mit schönen Gitarren.
Insgesamt wohl der roheste Track der Platte.
King of Kings
Mit Weihnachtsgebimmel geht es in einen der besten Tracks des “Albums”. Die Glöckchen sind hier absolut passend. Was für ein Gesang. Was für eine Hoffnung liegt darin. Die “Prophecy” wird erfüllt, “on earth as it is in heaven”.
Death of the Slain – The bottemless Pit
Typischer SM Stampfer mit beschwörendem Text.
A thousand years
Schöner stiller Song mit positiver Aura. Spartanisch, Gitarre und Gesang und … Gebimmel
The final Rebellion
Kontrast zum Vorgänger. Düster und hypnotisch.
Es ist der fatale Fehler, den Joke von Eric “YEE-HAW… GIDDY-UP SATAN… C’MON C’MON!” drauf zu lassen, enthalten (1:25). Das ist schon heftig, wenn man bedenkt, dass der Text vornehmlich aus so Zeilen wie “Come Satan you and your Angels, come face your hell and damnation” besteht. Kapitaler Bock. Unikum in meiner 800 Cds umfassenden Sammlung
Aber super Song.
Lake of Fire the last Judgement
Kurzes Zwischenspiel. Bedrohlich fängt es an, gegen Ende kippt das ganze ins positive.
The great Throne
Anfangs eine der schönsten Melodien des Albums. Gott dankt. Es ist geschafft und das kann man auch hören. Daher darf auch zunehmend bombastisch gefeiert werden.
Heaven and Earth
Was für ein grandioser Song. “Our Saviour our King forever more in heaven and earth”. So siehts aus. Ein hymnischer Gesang wie man ihn von den großen Finals der beiden ersten SM Scheiben (also vor Legend) kennt. Groß, von Anfang bis Ende, Demo hin oder her !
The Holy City – New Jerusalem
Ruhiger Song, der einige bekannte Melodien anklingen lässt. Am Ende das typische SM Prediger “Gebrabbel”. Zieht sich am Ende etwas. Letzte Verschnaufpause vor dem großen Finale.
Marriage of the Lamb
Denn es wird majestätisch, Cheffe ruft seine Schäfchen. “Blessed are those who walk on”.
Legend III:II
Der Titel sagt schon alles, natürlich handelt es sich um ein Instrumental. Sehr schöne Gitarrenmelodie, das alte Thema. Leitet nahtlos über in
The Ancient of Days
Wenn es doch immer so weiter gehen könnte mit dieser Gitarre. Der Gesang wieder so würdevoll und andächtig.
The Beginning and the End
Der letzte Hauch. Still zieht das Ende herauf. Das Ende vom Anfang des “everlasting Gospel”. “He who has an Ear, let him hear the words, let him hear the music”, und mit Amen schließt der Midi-Chor.
Abschließend: Ok, die (vermeintlich) letzte Saviour Machine Platte kommt ohne das bekannte technische, orchestrale und sakrale Arsenal um die Ecke. Macht aber nix, auch so kann man den Saviour nicht verkennen. Wohlig in einer Zeit, in der der Pop nur Konserven raus haut und blutlose unkreative Bands den Metal und Gothic Bereich bestimmen. SM sind immer noch eine Klasse für sich: Klasse Sänger, klasse Konzept und so weit weg von allem Mainstream, dass man den Clayton Brothers (sind ja nun beide wieder am Start) und ihren Kumpanen allein dafür schon einen Orden anheften müsste.
Wenn man sich die Samples auf seventhcircle rein zieht, dann merkt man schon, dass in den Songs noch außerordentliches Potential schlummert, dass nur gehoben werden muss. Vlt. wird es nie dazu kommen. Von daher neige ich dazu es so zu sehen: Wenn man alle Fragmente/unfertigen Produkte der Kunst (alle Kafka “Romane” zB, letztlich auch die Bibel als Paradebeispiel, je nachdem wie man dazu steht) in die Ecke kloppen würde, wäre der Welt viel großartiges verloren gegangen. Auch die Künstler früherer Zeiten waren nicht damit einverstanden, wenn der Verleger Teile frühzeitig veröffentlicht hat, um einen weiteren Vorschuß zahlen zu können. Aber wer weiß wozu es gut ist. Besser den Spatz in der Hand … wenn die Taube sich dazu gesellt, umso besser.